Rezension: Peter Horton – Virtuose der Innerlichkeit

Gepostet am Mrz 14, 2011

von Markus M. Kauffmann, Berlin, Kulturkorrespondent –

In wenigen Minuten herrscht im Saal ein Zustand tiefster Vertrautheit, Intimität. Ist es seine virile und sanfte Stimme, ist es die im ruhigen Plauderton gehaltene Moderation, sind es die farbigen Klänge einer virtuos gegriffenen Gitarre oder die sinnlich–sinnigen Texte voll zärtlicher Poesie, gesungen und erzählt?

Das alles wäre schon weit mehr als einem üblicherweise geboten wird; aber es erklärt noch nicht den unnachahmlichen Zauber eines Horton–Abends. Hinter allem steht – ein Mensch; ein denkender, sinnender, fühlender Mensch voller Liebe; ein Ästhet – von der weißen Locke bis zur Fingerhaltung am Griffbrett; ein Literat von Graden und ein Philosoph.

Horton komponiert seine Stücke, schreibt seine Texte, inszeniert seine Auftritte – als Gesamtkunstwerk, durchdrungen von der glühenden Botschaft, menschliche Wärme, Frieden und Harmonie zu verbreiten. Er macht Stimmung für die Kraftlinien zwischen dem Ich und dem Du. Ein Virtuose der Innerlichkeit. An einem solchen Abend zerstreut man sich nicht, sondern sammelt sich; man verliert sich nicht, sondern findet zu sich selbst; man lacht, weint, sinnt und staunt. Einmal furios, einmal meditativ, immer ein beinahe fernöstliches, ein inneres Lächeln in den Augen.

Hortons Intensität, emotional und gedanklich, reich an Klangfarben und Wortbildern, beweist, wie spannend Entspannung sein kann. Und er zeigt, daß Haltung und Unterhaltung keine Gegensätze sind. That’s Entertaninment – That’s Philotainment.