Konzertkritik in der Rheinpfalz

Gepostet am Dez 18, 2013

Konzert: Der Musiker und Komponist Peter Horton fesselt mit leisen Tönen seine Zuhörer in der Kulturbühne „Max“ / Das Programm „Personalissimo“ entfaltet seinen Glanz in der Nachdenklichkeit

Von unserem Mitarbeiter
Peter Heid

HEMSBACH. „Unterhaltung ist seelischer Unterhalt im Rang eines Lebensmittels“, sagt Peter Horton. So gesehen durfte das Publikum im gut gefüllten „Max“ am Sonntagabend ganz außergewöhnlich nahrhafte und obendrein im höchsten Maße delikate Gaumenfreuden genießen, Göttertrank und Naschwerk inbegriffen. Peter Horton, Sänger, Musiker, Gitarrist, Komponist und Buchautor lotete alles aus, was seine überwältigende Speisekarte zwischen Aperitivo und Digestif zu bieten hat. Ganz individuell und „Personalissimo“ – der Titel seines aktuellen Albums ist Programm und persönliches Resümee aus Lebens- und Bühnenerfahrung.

Ruhige Erwartung

Mucksmäuschenstill ist es schon Minuten, bevor der Meister die Bühne betritt, es knistert eine geradezu mystische Stimmung, die selbst Bürgermeister Jürgen Kirchner in seiner Begrüßung nicht so recht zu deuten weiß. Dabei hat der Peter Horton, der lange, asketische mit den silberweißen Haaren gar nichts Geheimnisvolles. „Spannend“ findet er die erwartungsfrohe Atmosphäre und verbreitet a priori Behaglichkeit mit einem gut gelaunten Lied zum Stressabbau: „So kommt’s Papier vom Tisch.“

Vergnügt und heiter ist das und, wie alle seine Lieder, hintergründig und nachdenklich, poetisch ohne jeden gefühligen Schmonzes, vor allem aber ohne jeden Zynismus. Den überlässt er in vorsorglicher Qualitätsauswahl den „wirklich guten Kabarettisten“. So löst sich die Spannung auf in Wohlgefallen und weicht vertrauensvoller Nähe – es ist, als säße da auf dem Barhocker ein alter Freund und plaudere mit uns über alte Zeiten. Und über ferne Länder, aus denen er diese hochvirtuose brasilianische Fantasie mitgebracht hat, die des Meisters Ruf als „Guitarissimo“ preist.

Denn die Gitarre ist instrumentale Erfüllungsgehilfin für Hortons Poesien und vor allem das handgemachte Rolf-Spuler-Instrument in edlem Gehölz, versehen mit einem „Octaver“, der parallele Basslinien ermöglicht, wärmt die Seele. So verewigt der Träumer, dem dann und wann ein Gedicht „davonschlüpft“, seine Hoffnungen in leuchtenden Lettern an der Wand: „Was blüht, schreib ich ins Heft, was lebt, schreib ich in Lieder, und kein Tod drückt mich nieder“ und zieht Vergleiche: „Ich bin der Poet, du die Poesie; ich bin dein Korn, du meine Ähre, ich bin der Beaujolais, du der Burgunder“. Gern aber darf zwischen all den wunderbaren Liedern auch ein wenig Prosa und Lyrik aus einem seiner literarischen Ausflüge sein. Kleine Philosophien vielleicht („Wenn Träume wahr werden, waren sie dann vorher Lügen?“) oder Bosheiten („Nicht alles dient dem Wohl des Leibes, was entspringt dem Hirn des Weibes“) oder Makabres zum Schaudern („Treppenstürze schärfen das Bewusstsein für oben“). Der Mann scheint ständig nachzugrübeln über dies und jenes, er schaut sich um und sieht, er sinniert und fällt dennoch nie der Depression anheim. Denn seine Quintessenz ist stets ein leises, verstehendes, ja dankbares Schmunzeln, selbst bei einer liebevollen Erinnerung an seinen Vater, verloren in der Jugend und wiedergefunden erst auf dem Sterbebett: „Er war, wie er war, wunderbar, einfach, weil er mein Vater war.“ Peter Horton, der 72-Jährige, ist dem Sturm und Drang der Jugend längst entwachsen. Er hat, im Gegensatz zu manchem kabarettistisch-musikalischen Altersgenossen, verstanden und akzeptiert, was letztlich unvermeidbar ist. So einer hat das Recht, dem lieblosen Vater Staat den Finger auf die Brust zu hämmern und ihm vorzuwerfen, „dir fehlt die Mutter, du hörst nicht zu, du bist so fremd“ und doch zu resümieren „aber wenn ich dich mit anderen vergleiche, habe ich dich auf einmal gern“. Denn Kritik, sagt Horton, sei sicher gut, aber eben nicht um jeden Preis. Und rät, das Haar mal in der Suppe zu lassen und einfach drum herum zu löffeln.

Seine leisen Töne fesseln, sie zwingen zum Zuhören und zum Nachdenken in der Stille, die mahnt „sprich leise, wenn du Erhabenes im Munde führst“. Und da wundert sich der Mann, dem solches einfällt, dass „ihr hier im Max eine sehr schöne Schwingung habt“ und macht als gelernter und passionierter Jazzer aus dem ebenso atonalen wie berühmten „My funny Valentine“ eine hinreißend extravagante Horton-Version. Zum Abschied vom rundum begeisterten Publikum gibt’s geraunzten Wiener Schmäh: „I bin a Musiker und kann dir die Welt verschönern.“ Das ist dem Peter Horton an diesem behaglichen Abend im „Max“ trefflich gelungen.