Zeitungskritik Ingolstadt

Gepostet am Dez 20, 2012

Donaukurier (Konzert am18.12.2012)

Gentleman des Chansons

Ingolstadt (DK) Peter Horton ist und war immer ein Multitalent – Liedermacher, ausgebildeter Gitarrist, Buchautor, Lyriker, Komponist, Entertainer, TV-Moderator. Mittlerweile ist der Künstler aus Wien 71 Jahre alt und noch immer vielseitig wie eh und je, setzt aber doch auch stärkere Prioritäten.

Die liegen beim Konzert in der Ingolstädter Neuen Welt eindeutig in seiner Tätigkeit als Chansonnier, ist doch ein Großteil seines Programms den Liedern aus den verschiedenen Phasen seiner Karriere vorbehalten, in denen er mit bilderreicher Sprache seiner Vorliebe für Poesie frönt, mit denen er sein Publikum einlädt, abseits der permanenten Beschallung des täglichen Lebens die Ruhe zu entdecken, den Sinn für Subtiles, Assoziatives und Dezentes jenseits des Weltenlärms. Horton entführt seine Gemeinde in „Wilde Gärten“, stiftet sie an „aus den Gläsern der Liebe zu trinken“ oder kommt zur Erkenntnis: „Regenbögen muss man nicht bemalen.“

Nun könnte man natürlich auf die Idee kommen, all dies rieche verdächtig nach esoterisch angehauchtem Gesäusel, läge damit aber grundfalsch. Zum einen hat sich Horton neben seiner Leidenschaft für Poesie auch den kritischen und den humorvollen Blick seiner frühen Jahre bewahrt. Immerhin hat er den „Vater Staat“ im Programm und auch die Geschichte des Erblassers „Erbonkelchens Tod“, eines der ewig aktuellen Couplets Otto Reuters, immerhin rezitiert er zwischendurch das sarkastische Gedicht „Von einem Gehirn, das auszog“ und kommt dabei einem Eugen Roth verdächtig nahe, immerhin unterlegt er seine Lieder gerne mit lateinamerikanischen Rhythmen von Bossa Nova bis Samba – und die haben mit Esoterik ja nun wahrlich nichts zu tun.

Und doch: Horton gönnt sich und seinem Publikum eine Auszeit, die gut tut, gute 90 Minuten Zeit für Träumereien, Zeit zur Herstellung eines persönlichen Wohlgefühls, zum Innehalten, wenn draußen der allgemeine akustische Irrsinn tobt. Und so bleiben die Reminiszenzen an die technische Virtuosität aus gemeinsamen „Guitarissimo“-Zeiten mit Sigi Schwab und der Ära seiner „Freaky Fingers“ mit Slava Kantcheff an diesem Abend marginal, steht statt dessen seine These „Im Lauten liegt die Schwäche, im Leisen liegt die Stärke“ im Mittelpunkt. Ob diese Maxime mit zunehmendem Alter unausweichlich immer mehr an Bedeutung gewinnt? – Mag sein, mag auch nicht sein. Auf jeden Fall aber steht sie Peter Horton sehr gut zu Gesicht und verschaffte dem Auditorium in der Neuen Welt einen höchst angenehmen Konzertabend.

Von Karl Leitner

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